Rückblicke

9. Symposium Künstlerischer Therapien in der Altenarbeit 2016 in Bad Klosterlausnitz

 

Bilder vom 9. Symposium Künstlerischer Therapien in der Altenarbeit

Das Symposium vermittelte zahlreiche Einblicke in die Arbeit künstlerischer Therapeuten im Bereich der Altenarbeit. Die Frage, inwieweit Therapeuten in der Lage sind, die selbst gesteckten Grenzen zwischen den unterschiedlichen „Künsten“ zu erweitern oder gar aufzulösen, um im Dienste ihrer Klienten flexibel auf deren Bedürfnisse einzugehen, stand im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Antworten darauf oder Ideen kamen jedoch nur von einem Teil der ReferentInnen.
Es lohnt sich also, dieser Frage auch bei weiteren Veranstaltungen nachzugehen.

Interview mit Christoph Schwabe Interview mit Christoph Schwabe

Interview zum 9. Symposium künstlerischer Therapien in der Altenarbeit 2016 in Bad Klosterlausnitz


Der Begründer der Musiktherapie in Deutschland Dr. Christoph Schwabe war gebeten worden, beim Symposium den Hauptvortrag zu halten. Leider konnte er das aus Krankheitsgründen nicht tun. Jedoch konnte ein Video mit ihm aufgenommen werden, in dem er anhand von Fragen, die ihm Ulrike Haase, Leiterin der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen stellt, Einblicke in seinen persönlichen und fachlichen Entwicklungsweg gibt.
Sie stehen unter dem Thema:
„Rückblick eines Nicht-Spezialisten“
Intermediale Veranlagung und hochspezialisierte Leistungsgesellschaft

 


 

8. wissenschaftliche Tagung der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen und der DMVS e.V. zu einem Brennpunktthema
Er-ziehung oder Be-ziehung
Wie reagieren Therapie und Pädagogik auf „schwierige Kinder“?
04.11. - 06.11.2014

 

Bilder von der 8. Wissenschaftlichen Tagung in Bad Klosterlausnitz

 

An diesem Wochenende spannte sich ein weiter Bogen vom Bildschock zum Filmerlebnis, vom Vortrag über die ADHS-Gesellschaft von Herrn Prof. Türcke zum Lied über „Schwierige Kinder“ von Matthias Trommler. Wer ist eigentlich schwierig? Sind Kinder nicht ein Spiegel der Gesellschaft?
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern sind eher ernüchternd und doch gibt es einzelne Bestrebungen, der einseitigen Förderung und Uniformierung von Kindern zu begegnen und ein Umdenken anzuregen. Das konnte man in den verschiedensten Vorträgen an diesem Wochenende erleben, z.B. im Vortrag von Herrn Diskowski, der im Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Einfluss auf die Umgestaltung der Erzieherausbildung nimmt. Die veränderte kindliche Lebenswelt erfordert andere Herangehensweisen, die Natascha Unfried, Antje Stolz, Marlies Pfeiffer und Franziska Herrmann, auf ihren Tätigkeitsbereich bezogen, ansprachen. In den beiden Symposien am Samstag wurden Einzelbeispiele aus dem therapeutischem und pädagogischem Umfeld vorgestellt, wie und wo trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen Möglichkeiten für dem Kind zugewandten Handelns vorhanden sind, aber auch wo es Grenzen gibt.
Nach den anregenden und intensiven Vorträgen konnte man am Samstagabend Musik erleben: z.B. Kammermusikalisches auf der Theorbe, der Violine und mit Gesang, oder mit dem jungen freien Orchester aus Jena, das uns in die Filmmusik entführte. Andere kulturelle Einlagen waren der Damenchor unter der Leitung von Kerstin Rilke, die Coverversion der 3 Gäns im Haberstroh, die Begegnung mit Edeltraud Wirsing, die das Konzept des Topfens mit Musik propagierte oder auch die kurzen humorvollen Geschichten von Ulf Gladis.
Die abschließende Podiumsdiskussion am Sonntag, nachdem Filmausschnitte aus „Erzieherin: Beruf oder Berufung“ von Kurt Gerwig gezeigt wurden, verdeutlichte, wie wichtig es ist, sich der Person zuzuwenden. Damit ist natürlich die Kinderpersönlichkeit, aber auch die der pädagogischen oder therapeutischen Bezugsperson gemeint. Andere einladen, ermutigen und inspirieren – ein Fazit, mit dem selbst inspiriert viele Tagungsteilnehmer nach Hause fuhren.

Sabine Schenke, Limbach-Oberfrohna

 

Das Symposium I: Erfahrungen mit „schwierigen Kindern“ in der ambulanten und stationären Therapie wurde durch vier beeindruckende Vorträge bestimmt. Antje Stolz stellte in ihrem Referat Möglichkeiten musiktherapeutischer Diagnostik, als qualitative Ergänzung zu „klassischen“ Diagnoseinstrumenten vor. Tolles Ergebnis: Es fanden sich sofort Interessenten, welche in Form eines neuen Arbeitskreises „Musiktherapeutische Diagnostik“ die Inhalte aufgreifen und weiterführen möchten.
Darauf folgte ein sehr persönlicher und anschaulicher Vortrag von Paula Müller über ihre musiktherapeutischen Erfahrungen während ihrer Praktikumszeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die beiden folgenden Beiträge verdeutlichten in beeindruckender Art Erfahrungen, Belastungen und Erfolge in der therapeutischen Arbeit mit „schwierigen“ Kindern: Silke Klemm als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin berichtete in einem Fallbericht über die Langzeittherapie eines anfangs „schwer therapierbaren“ Kindes, und Anke Parybyk-Landes sprach über die therapeutische Begleitung eines Kindes mit Asperger-Syndrom. Beide Referentinnen stellten ähnlich wie Paula Müller eindrücklich dar, wie wichtig bei der therapeutischen Arbeit die Beziehungsgestaltung ist und welche Erfolge sich zeigen können, wenn man den Kindern „auf Augenhöhe“ begegnet, sie und ihr „störendes“ Verhalten im Sinne von Signalen ernst nimmt. Auch wurde hierbei deutlich, welche Potenz unser Musiktherapiekonzept durch die Betonung der Beziehungsgestaltung und der Wahrnehmung hat.

Gerhard Landes, Jena

 

Im Symposium 2 - Erfahrungen mit „schwierigen Kindern“ im pädagogischen Bereich, berichteten fünf sehr kompetente Musiktherapeutinnen aus ihrer Arbeit. Die Beiträge berichteten von der Arbeit mit Kindern im frühen Kindesalter bis hin zur Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Konkret beschrieben die Vorträge das Gruppensingen in einer Kindergartengruppe (Ute Haesner), eine Einzelbegegnung mit einem Jungen, der bereits sein Stigma hatte, (Delia Lengwinat) des weiteren den Umgang mit „Störungen“ im Musikunterricht (Sabine Schenke) bis hin zum Erarbeiten eines Musiktheaterprojektes und dem damit verbundenen außergewöhnlichen Prozess. (Franziska Pfaff, Janina Howitz)
In allen Berichten wurde immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, die eigene Person zu reflektieren, das Gegenüber und sich selbst wahrzunehmen, Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen aufzubringen, um mit Empathie und Authentizität den Kindern gegenüber zu treten. Lernen kann gelingen, wenn die Neugier bei Kindern geweckt ist und zum Tragen kommen kann; aber auch, wenn die Ressourcen der Kinder gesehen und Störungen als ein Signal verstanden werden, Kinder als ein Gegenüber ernst zu nehmen.
Dieser Nachmittag hat Mut gemacht und gezeigt, dass fachlicher Austausch im Miteinander sehr wichtig ist, auch um sich zu stärken. Man muss nicht als Einzelkämpfer dastehen und braucht nicht die ganze Welt zu retten. Aber man kann da sein für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Kerstin Rilke, Schleiz

 

Zum Gedenken an einen Freund und Kollegen Axel Reinhardt

 


 

Bericht über das Festkolloquium zum 20-jährigen Bestehen der Akademie für angewandte Musiktherapie Crossen

„Wagnis und Chance…“

Die etwa 50 Teilnehmer, die am 30. Juni 2012 den Einladungen der Akademie für Angewandte Musiktherapie Crossen zu ihrem 20–jährigen Bestehen gefolgt waren, erlebten ein Geburtstagskolloqium, wie es für die Arbeit der DMVS und ihre Akademie auch im Alltag kennzeichnend ist: verbindlich, einander zugewandt, aber auch sehr konzentriert in den Beiträgen und ökonomisch im Umgang mit der zur Verfügung stehenden Zeit.

In Grußworten, Analysen, Wegebeschreibungen und Außenansichten wurde eine Geschichte nachgezeichnet, die sich, ähnlich einem Baum, nicht nur in vertikaler Richtung entwickelt, sondern auch über den eigenen unmittelbaren Horizont hinweg, Kreise gezogen hat. Etwas davon zu spüren war etwa im Grußwort von Frau Prof. Bauer; Berlin, die der Regulativen Musiktherapie nach Schwabe zuerst innerhalb des musiktherapeutischen Studienganges an der Universität Wien begegnet war und dieses Konzept im methodischen „Handgepäck“ als Dozentin für Weiterbildungsstudiengänge bis nach Chile mitgenommen hatte. Ein weiteres Beispiel für weitreichende Verbindungen bot ebenfalls Yutaka Nakagawa, Professor an der Kunsthochschule Nagoya in Japan, der das Lehrbuch für Sozialmusiktherapie (SMT) von C. Schwabe und U. Haase ins Japanische übersetzt hat und in einer kurzen Ansprache sein Verständnis von Sozialmusiktherapie „als Kontrapunkt in einer technisch orientierten Welt“ zum Ausdruck brachte.

Die Entwicklung dieser musiktherapeutischen Konzeption und deren institutionelle „Formgebung“ unter verschiedensten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen schilderte anschließend Christoph Schwabe in seinem Vortrag sehr eindrücklich und sichtlich bewegt; er nahm, ähnlich wie die folgenden Referenten, immer wieder auch Bezug auf den langjährigen konzeptionellen Mitentwickler, kritisch-konstruktiven Begleiter und Mitstreiter, Dipl.-Mus. Axel Reinhardt; Dresden, der, schwer erkrankt, nicht am Kolloquium teilnehmen konnte.

 

Christoph Schwabe gliederte sein Referat „ Wagnis und Drahtseilakt“ in vier Entwicklungsphasen, deren Anfänge von jeweils einschneidenden Zäsuren entscheidend mitgeprägt wurden und letztlich zur Gründung der Akademie für Angewandte Musiktherapie Crossen unter dem Dach der Deutschen Musik-therapeutischen Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe (DMVS) führten. Ausgehend von einer Zeitspanne innerhalb der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit als ideal beschriebenen interdisziplinären Ausgangsbedingungen an der Leipziger Universitätsklinik für Psychotherapie, schilderte der Referent die Entwicklung und praktische Verwirklichung dieser Konzeption als stete dialektische Auseinandersetzung mit sich ändernden Umgebungsbedingungen. In der Konsequenz, so ließ sich seinen Worten entnehmen, führten all diese Veränderungen, waren sie nun fachlich- grundsätzlicher, politischer oder wirtschaftlich-organisatorischer Natur, letztlich dazu, das Konzept nach Schwabe von einseitigen Zuordnungen zu bestimmten psychotherapeutischen Schulen zu lösen, für vielfältige Anwendungsbereiche kooperationsfähiger und somit unabhängiger zu gestalten.

Eine der größten existenzbedrohend erscheinenden Herausforderungen bestand dabei zweifellos in den strukturellen Zerfallserscheinungen infolge des Zusammenbruchs der DDR. Die Zerstörung des poliklinischen Versorgungssystems , veränderte wissenschaftliche und wirtschaftliche Interessenlagen und die Annullierung eines bereits in Gang gesetzten Hochschulstudienganges für Musiktherapie in Dresden durch die damalige sächsische Staatsregierung , die Christoph Schwabe als „ eindeutig politisch motiviert“ charakterisierte, führte letzten Endes, so der Referent, zur Entscheidung, Musiktherapieausbildung außerhalb staatlich gelenkter Hochschulpolitik anzubieten und somit zur Gründung der DMVO (heute DMVS) mit der Akademie für Angewandte Musiktherapie Crossen.

Als „ Drahtseilakt“, der diesem Neubeginn folgte, beschrieb der Redner anschließend den Vorstoß auf haushaltpolitisches Neuland, der für die DMVS bedeutete, als Verein ohne Möglichkeit, Profit zu erwirtschaften, die Arbeit der Akademie gewährleisten zu müssen. In diesem Zusammenhang würdigte er das bisherige Gelingen dieses „Unternehmens“ durch die enge Verzahnung von qualitativ hochwertiger, praxisnaher Ausbildung mit wachsenden Teilnehmer-zahlen, kluger Haushaltführung und viel idealistischem Engagement und dankte mit sichtbarer Rührung, stellvertretend für alle Mitarbeiter und Dozenten der Akademie, der Ausbildungsleiterin Ulrike Haase und dem Vereinsvorsitzenden Gerhard Landes.

Festkolloquium 1

Unmittelbar im Anschluss an die Ausführungen von Schwabe zeichnete Ulrike Haase sehr plastisch und mit Blick für Details den Werdegang der Akademie nach, der mit der Suche nach geeigneten Dächern und Kooperationspartnern ebenfalls an vielen Weggabelungen gestanden hat, an denen sich die Frage nach Konzepterweiterungen oder Abgrenzung neu stellte. Ob in einem ehemaligen reizvollen Schloss in Crossen, in einer Landwirtschaftsschule in Wetzdorf oder letztlich in der Fachklinik Klosterwald, ob in Zusammenarbeit mit der Universität Siegen, im Rahmen von sozialpädagogischen Ausbildungsgänge oder für ein breitgefächertes medizinisches, soziales und pädagogisches Berufsspektrum, immer erschien in den Worten von Ulrike Haase eines unveräußerlich, nämlich die Grundüberzeugung , das Lernen als Prozess zu sehen, der vielfach über das Erleben geht und sich für Fehler interessieren darf – ja, sollte.

Gleichzeitig wurde in beiden Vorträgen deutlich, dass das Wachsen in die Höhe und Breite immer auch von kritischen Auseinandersetzungen mit dem eigenen Konzept und den Konzeptvorstellungen Anderer begleitet war. Dass dieses Ringen um fachliche Differenzierung mit Fachkollegen mitunter auch den Abschied von einstigen Wegbegleitern bedeutete und manchmal schmerzhafte Spuren bei den Beteiligten hinterlassen haben mochte; auch das war in manchen Passagen durchhörbar.

Nach der wohlverdienten Kaffeepause hob Gerhard Landes einige wissenschaftliche Höhepunkte hervor, die z.T. in Form von Musiktherapie-Tagungen und Musik- und Kunstfestivals in jährlichem Abstand Teil der Akademiearbeit war. Liest man die Titel der einzelnen Tagungsbände, kann man das Bestrebung der Akademievertreter deutlich erkennen, über den musiktherapeutischen Tellerrand hinaus zu blicken, eine breite Palette an Themen anzubieten und für alle Sinne erlebbar zu machen. Diese Erfahrung zeige, so stellte Landes fest, dass das wissenschaftliche Arbeiten nicht nur an Universitäten gebunden sei, sondern auch in anderen Instituten gelebt werde.

 

Wie zur Bekräftigung dieser These war am Nachmittag der Tagung eine interessante und ungewöhnliche „Sicht von außen“ zu erleben, in welcher Prof. Dr. Ernst Walter Selle, Heidelberg, - nachdem er seine persönliche Begegnung mit dem Schwabe- Konzept in Klosterlausnitz geschildert hatte - die Aufmerksamkeit auf Entwicklungsparallelen von Musiktherapie und Gesellschaft lenkte.

Ernst Walter Selle ging darin jenen Zusammenhängen nach, mit denen das Arbeiten unter den ehemals grundverschiedenen politischen Bedingungen zweier deutscher Staaten die Entwicklung der Musiktherapie geprägt hat. Und ähnlich, wie erst der menschliche Sehvorgang die Einzelbilder beider Augen zu einem Ganzen formt, so entstand im Laufe des Referats plötzlich ein räumliches, gleichsam „tiefengeschärftes“ Bild der Musiktherapiegeschichte im einst geteilten, dann vereinigten Deutschland. Mit leisem, pointierten Humor zeichnete der Referent das Bild des musiktherapeutischen „ Solisten“, der in der Bundesrepublik der Vorwendezeit seinen Platz in der Vielfalt nebeneinander existierender (und miteinander konkurrierender) Konzepte zu wahren hatte, währenddessen unter den Bedingungen der damaligen DDR viele Musiktherapeuten in manchmal „subversiv“ anmutender Weise gemeinsam bemüht waren, auf fachlich übereinstimmender Grundlage mit interdisziplinären Angeboten Patienten eine individuelle Therapie zu ermöglichen.

Festkolloquium 2

Nachdem er mit dem „Aufgehen im gesamtdeutschen Pluralismus“ kurz das umrissen hatte, was für das musiktherapeutische Konzept nach Schwabe mit so vielen Gefährdungen, aber auch konzeptionellen Entwicklungsschüben verbunden gewesen war, richtete Ernst Walter Selle den Blick der Zuhörer mit der sehr verbindlich formulierten Bitte nach vorn, dass statt der Betonung von Gegenpositionen das Miteinander stärker belebt werden möge. Der Redner warb dafür, miteinander mehr ins Gespräch zu kommen – und zu bleiben, mehr von den eigenen fachlichen Sichtweisen zu publizieren, aneinander teil zu haben und lud dazu ein, sich „ im Westen“ offensiver zu engagieren.

Nach dieser sachlich differenzierten, mit spürbar persönlicher Anteilnahme und leisem Humor vorgetragenen Analyse der deutsch - deutschen musiktherapeu-tischen Befindlichkeiten tat es gut, bei einem musikalischen improvisatorischen Intermezzo das Gehörte nachklingen zu lassen.

Etwas von dem, was gemeinsame Teilhabe am Tun und Erleben ins Schwingen bringen konnte, war neben den vielfältigen Pausenunterhaltungen vor allem am Abend zu erleben. Neben originellen Geburtstagsständchen und Chansons, einem jungen Spitzahorn als Geschenk und improvisierten Tangoszenen reizten auch spontane Kanons zum Mitmachen, und boten so einen sehr gelungenen Ausklang des Festkolloquiums.

 

Ingesamt war es ein würdiges Jubiläum, dem man so, wie es war, die Attribute „klein, aber fein“ hinzufügen möchte und gern noch mehr Besucher gewünscht hätte. Ein großer Reiz des Rückblicks auf 20 Jahre Akademie für Angewandte Musiktherapie Crossen lag diesmal zweifellos in der Möglichkeit, ein Stück Musiktherapiegeschichte von mindestens zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, die sonst im wahrsten Sinne des Wortes oft “ ein- seitig“ bleiben.

Darüber hinaus wurde der Autor inmitten der Vielfalt des Gehörten und im Angesicht der bis heute erfolgreichen Arbeit von DMVS und Akademie immer wieder auch an ein ermutigendes Wort Hölderlins erinnert, das vielleicht von ähnlich unmittelbarer Erfahrung von Krise und Aufbruch spricht: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch…“.

 

Andreas Oschatz

 


 

7. Wissenschaftliche Tagung 2011
"Musiktherapie für Menschen mit geistiger Behinderung im Spannungsfeld zwischen Psychotherapie, Förderung und Betreuung"

Mein Tagungs-Tagebuch

Freitag, 20. Mai

Gute acht Stunden Autobahn - erstaunlich leer am Freitag - dank „Navi-ator“ habe ich schnell und stressfrei das Quartier gefunden - weit abseits und mitten in traumhafter Wiesenlandschaft - Heimatgefühle werden wach. Verblichene LPG-Reiterhof-Romantik erwartet mich- nicht mehr und nicht weniger. Der Anschluss wurde wohl hier vor Jahren verpasst! Schade! In geübter Gelassenheit schaue ich darüber hinweg und traue meinen Augen nicht: Ein Fuchs quert gemütlich den Platz, schaut mich an und ist in keinster Weise erstaunt (im Gegensatz zu mir). Erster Schreck - dann langsames entspannen!
Dank des schon erwähnten „Navis“ habe ich kein Problem den weiter entfernten Tagungsort zu orten und auch zu finden. Es gibt ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten und ein gespanntes hineintauchen in eine fremde und doch so vertraute Gemeinschaft.
Im Laufe des ersten Vortages wird mir schnell klar: Ich bin angekommen! Ich fühle mich wohl und irgendwie daheim. Darüber hinaus lausche ich einem sehr berührenden Bericht von Herrn Dr. Trogisch über den „Katharinenhof“ , seine schwere Pionierarbeit unter dem Druck einer mir wohl bekannten Diktatur! Obwohl mir bald klar gemacht wird, dass es völlig egal ist ob Diktatur oder Demokratie: „Fortschritt entsteht immer in der Illegalität!“ – ein bemerkenswerter Satz.
Freitag abend: Ausstellungseröffnung mit Bildern von Künstlern aus Lobetal; erwartungsvolle Augen, stolze Gesten, bunte Farben, erstaunliche Kompositionen, einzigartige Persönlichkeiten. Ich sehe später, dass die Bilder von Günther Krug aus weiter Entfernung erst ihre ganze Wirkung erzielen, wogegen man bei Detlef von Dossows Werken ganz genau hinschauen muß und auf diese Weise immer wieder etwas Neues entdecken kann- faszinierend.
Der erste Abend klingt aus bei geselligem Beisammensein und dem knüpfen erster zaghafter Kontakte unter den Tagungsgästen.

Samstag, 21. Mai

Ein straffes Tagesprogramm erwartet mich. Ich bin neugierig und gespannt und hoffe, dass ich alles aufmerksam verfolgen werde; dass ich nichts verpasse, dass meine Gedanken keine Flügel bekommen und nicht abschweifen hinaus zu den blühenden Bäumen vor den Fenstern (was ich zweifellos an solch einem langem Sitzungs-Tag von mir erwarte). Aber ich bin überrascht, wie wach und munter mich die verschiedensten Vorträge halten! Ich höre- stimme zu- bin verwundert- erkenne vieles wieder und lehne mich teilweise entspannt zurück. Hier ein paar Details:

 

Inwieweit dieses in die Praxis umsetzbar oder schon umgesetzt ist, wurde in der Podiumsdiskussion am Nachmittag lebhaft diskutiert. Der Kostenträger will Resultate! Zielorientierung – ein Reizwort! Es geht immer mehr um gut abrechenbare, vorzeigbare und klar definierte Therapie-Erfolge. Wie aber kann man zu Beginn einer Therapie sagen, was am Ende steht, wenn es überhaupt ein „Ende“ gibt?

 

Sonntag, 22. Mai

 

Abschied - die Hoffnung, auf ein baldiges Wiedersehen - Umarmungen - oder zumindest ein fernes Anlächeln als kleines Zeichen der minimalistischen Verbundenheit - entstanden aus diesen vergangenen gemeinsam verbrachten Stunden und dem wohltuenden Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Abfahrt - im Kofferraum Kiloweise Beelitzer Spargel - der soll der Beste sein! - erstanden vor einer ehemaligen Russenkaserne, die in mir immer noch Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorruft- trotz ihrer verwahrlosten Verlassenheit! Zum Abschied springt mir noch ein Hase vor das Auto. Ich verabschiede mich von dem Ort, wo sich offenbar auch „Fuchs und Hase“ Gute Nacht sagen.
Ich bin erfüllt und glücklich, dabei gewesen zu sein. Voller Eindrücke trete ich die Heimreise an!
Allerdings: Einen „Maulwurf“ habe ich nicht gesehen!…

 

Sabine Beese, Musiktherapeutin ÖBM, Musikerin, Pädagogin,
Angestellt am Ambulatorium der Lebenshilfe Salzburg für Menschen mit geistiger Behinderung, am Kardinal Schwarzenberg´schen Krankenhaus Schwarzach/Pongau auf der Akut-Psychiatrie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Lehrbeauftragte am Mozarteum Salzburg,
geboren in Halle an der Saale, lebt seit 20 Jahren in Österreich